Zweites Dialogforum 2018

Am 5. Juli 2018 diskutierten in Berlin rund 70 Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beim zweiten Dialogforum der dena-Strategieplattform Power to Gas, wie ein Markthochlauf der Technologien gelingen kann und welche Geschäftsmodelle besonders Erfolg versprechend sind.

Aktuelle Studien bestätigen, dass eine erfolgreiche Energiewende klimafreundlich erzeugte gasförmige und flüssige Energieträger (sogenannte „Power Fuels“) benötigt. Die zugrunde liegenden Technologien der Elektrolyse und der Methanisierung sowie der weiteren Verarbeitung und Verflüssigung sind bereits seit vielen Jahren verfügbar und stehen derzeit an der Schwelle zur Wachstumsphase. Wie aber kommt Power to Gas in den Markt? Welche Einsatzgebiete sind besonders vielversprechend und welchen Anpassungsbedarf in den politischen Rahmenbedingungen gibt es insgesamt und in den einzelnen Sektoren? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer des dena-Dialogforums.

In den verschiedenen Vorträgen, den Workshops und der abschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass es eine Vielzahl von Anwendungsgebieten gibt, in denen Power to Gas kurzfristig eingesetzt werden kann. Hierunter fallen im Verkehr beispielsweise Logistikfahrzeuge und andere unternehmensinterne Flotten, der öffentliche Nahverkehr sowie der nicht-elektrifizierte Schienenverkehr. In der Industrie bieten Raffinerien und im Wärmesektor dezentrale Speichersysteme für Wohnungsblöcke ein kurzfristiges Einsatzpotential. Allerdings wiesen insbesondere die anwesenden Anlagenbetreiber daraufhin, dass Voraussetzung für einen Markteintritt die Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen sei. Nur wenn das System der Abgaben, Entgelte und Umlagen als auch das der CO2-Anreize zu einem „Level playing field“ umgestaltet werde und Wettbwerrbsnachteile gegenüber fossilen Energieträgern und alternativen Technologien beseitigt würden, könnten die Anlagen wirtschaftlich betrieben und damit marktfähig werden.

Dass es vielversprechende Einsatzgebiete für Power Fuels gibt, der rechtliche Rahmen jedoch ein wesentliches Hemmnis für deren Markteintritt ist, zeigen auch die Factsheets (Verlinkung) der Strategieplattform Power to Gas, die auf dem Dialogforum erstmals vorgestellt wurden. Die Factsheets legen für ausgewählte Einsatzgebiete unter anderem das Potenzial der Power Fuels gegenüber fossilen Energieträgern und anderen alternativen Technologien dar und veranschaulichen anhand von Grafiken, wie sich der rechtliche Rahmen auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt.

Dr. Rodoula Tryfonidou, Referatsleiterin Energieforschung im Bundeswirtschaftsministerium würdigte die Bedeutung von Power to Gas, machte in ihrem Vortrag aber deutlich, dass sie die Notwendigkeit sieht, die Technologie weiter zu erproben. Frau Tryfonidou verwies dabei auf die geplanten Reallabore, in denen Power to Gas als erste Technologie eingesetzt werden soll. Sie könne sich auch vorstellen, dass in einem Reallabor die CO2-Bepreisung ausprobiert werden könne. In den Reallaboren werden unterschiedliche Aspekte getestet, darunter Multi-Use Möglichkeiten und die Systemdienlichkeit von Power-to-Gas-Anlagen, der Transport von Power Fuels, sowie unterschiedliche Marktregeln für eine verbesserte Wirtschaftlichkeit.

Das dena-Dialogforum "Geschäftsmodelle für Power to Gas" war die zweite Veranstaltung einer dreiteiligen Reihe, welche die dena-Strategieplattform Power to Gas im Jahr 2018 durchführt. Das nächste Dialogforum zum Thema „Chancen durch internationale Power-to-X-Märkte“ wird im Herbst 2018 stattfinden.

Erstes Dialogforum 2018

Welche Rolle kann Power to Gas für eine sichere und zuverlässige Energieversorgung spielen? Welchen Beitrag kann die Technologie zu welchem Zeitpunkt im Energiesystem leisten? Wie müssen die Rahmenbedingungen gestaltet sein, damit die Technologie ihr Potenzial entfalten kann?

Zu diesen und weiteren Fragen diskutierten rund 60 Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft beim 1. Dialogforum der Strategieplattform Power to Gas am 22. März 2018 in Berlin. Es war die erste Veranstaltung einer dreiteiligen Reihe, die die Plattform in diesem Jahr durchführt.

Power to Gas ist für das Erreichen ambitionierter Klimaschutzziele unerlässlich, darüber waren sich die Teilnehmer des Dialogforums einig. Dies zeigen auch Ergebnisse einer Studiensynopse, die die RWTH Aachen auf der Veranstaltung präsentierte. Sie hatte im Auftrag der dena zehn Studien miteinander verglichen, die sich mit dem zukünftigen Bedarf von Power to Gas beschäftigen. Ein wesentliches Fazit dieser Synopse ist, dass ab einem THG-Reduktionsziel von 85% der Bedarf an Power-to-Gas-Bedarf exponentiell ansteigt.

Power to Gas ist aber nicht nur dazu geeignet, langfristig zum Klimaschutz beizutragen, sondern kann auch schon kurzfristig einen energiesystemischen Nutzen bringen. Die Referenten und Teilnehmer der Veranstaltung erörterten in Vorträgen und Workshops die Möglichkeiten, die Technologie zum Beispiel zur Vermeidung von Netzengpässen und Bereitstellung von Regelenergie einzusetzen. Im Straßenverkehr und in der Wärmeerzeugung können mit PtG bereits kurzfristig fossile Energieträger ersetzt und somit THG-Emissionen eingespart werden.

Als wesentliches Hemmnis für den Einsatz von Power to Gas wurden die bestehenden rechtlichen Regelungen identifiziert. Aus den Vorträgen und Diskussionsbeiträgen wurde deutlich, dass ein wirtschaftlicher Betrieb unter den aktuellen Voraussetzungen derzeit nicht möglich ist und Anreize fehlen, nicht integrierbare Strommengen zu nutzen.

Anwesende Anlagebetreibern appellierten vor diesem Hintergrund an die Politik, die Anpassung der Rahmenbedingungen nicht aufzuschieben, sondern jetzt anzugehen, damit die Technologie weiterentwickelt werden und ihr Potenzial entfalten kann. Dies sei auch aus industriepolitischer Sicht sinnvoll, um die derzeitige Vorreiterrolle Deutschlands bei der Entwicklung der Power-to-Gas-Technologie beibehalten zu können. Als mögliche Stellschrauben wurden u.a. die Befreiung von der EEG-Umlage sowie eine stärkere CO2-Bepreisung fossiler Energieträger genannt. Auch die neue Renewable Energy Directive (RED II) wurde von einigen Teilnehmern als wichtiger Hebel gesehen.

Die Diskussionen auf dem Dialogforum haben gezeigt, wie wichtig Erfolg versprechende Geschäftsmodelle für den Einsatz von Power to Gas sind. Dieses Thema greift deshalb auch das zweite Dialogforum der Strategieplattform in diesem Jahr auf, das in der letzten Juniwoche stattfinden wird. Es wirft dabei auch eine Blick auf Strategien in Frankreich und anderen EU-Länder.

Impressionen des ersten Dialogforums

Bei Interesse oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)
Dr. Christiane Golling
Energiesysteme und Energiedienstleistungen
E-Mail:        golling@dena.de

Internet:  www.powertogas.info 

www.dena.de