Stellungnahme: Konsultation des von den Fernleitungsnetzbetreibern vorgelegten Entwurfs des Netzentwicklungsplans Gas 2015.

Die vollständige Stellungnahme zum Download:
Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan Gas 2015 (05.06.2015)

Bislang fokussiert die Umsetzung der Energiewende in Deutschland insbesondere auf die Umgestaltung der Stromversorgung. Der fortschreitende Ausbau der erneuerbaren Energien ist dabei die bekannteste Maßnahme zur Erreichung der energiepolitischen Ziele. Ein grundlegender Umbau einhergehend mit einer Flexibilisierung des Stromversorgungssystems sind damit verbunden. Schrittweise und bisher nur sehr zögerlich wird deutlich, dass die Energiewende in allen Verbrauchssektoren - Strom, Wärme, Mobilität, stoffliche Nutzung - umgesetzt werden muss, um die Treibhausgasminderungsziele erfüllen zu können. Die Energiewende verstärkt sogar die enge Beziehung zwischen den verschiedenen Energienetzen (Strom, Erdgas, Wärme) und den einzelnen Verbrauchssektoren, die zum gegenseitigen Vorteil und damit zur volkswirtschaftlich effizienten Umsetzung der Energiewende ausgestaltet werden kann.

Im vorgelegten Entwurf zum Netzentwicklungsplan Gas 2015 werden diese Herausforderungen erkannt und die Power-to-Gas-Technologie als vielversprechende und technisch verfügbare Option zur Kopplung der Energienetze von Strom und Erdgas benannt. Power to Gas bedeutet die Umwandlung von Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff mit Hilfe von Wasserstofferzeugungstechnologien, insb. der Wasserelektrolyse. Anschließend ist die weitere Umwandlung in synthetisches Methan (SNG) möglich, welches natürlichem Erdgas weitestgehend gleicht. Der Wasserstoff bzw. das Methan können in die Erdgasinfrastruktur unter Maßgabe der technischen Regelungen eingespeist, gespeichert und im Anschluss für verschiedenste Anwendungen wieder entnommen werden.

Eine vielversprechende Anwendung von erneuerbarem Wasserstoff bzw. synthetischem Methan ist der Mobilitätssektor, in dem alternative Kraftstoffe bislang überwiegend auf biogener Basis eingesetzt werden, deren Potenzial jedoch nicht ausreicht, um die ambitionierten Treibhausgaseinsparungen erreichen zu können. Die aktuellen Anpassungen der EU-Richtlinien 98/70/EG über die Qualität von Otto- und Dieselkraftstoffen und 2009/28/EG zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen, welche am 28.04.2015 vom Europaparlament verabschiedet wurden zeigen, dass nicht-biogene alternative Kraftstoffe in Zukunft einen größeren Beitrag leisten sollen und müssen.

Eine leistungsstarke, flächendeckende und wirtschaftliche Erdgasinfrastruktur ist damit auch in Zukunft eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende und damit für einen breiten Einsatz der Power-to-Gas Technologie. Die Ausarbeitung einer Erdgasstrategie Deutschland, die die zukünftige Rolle der Erdgasinfrastruktur in einem Energiesystem mit hohem Anteil erneuerbarer Energien aufzeigt und über den Fokus des Netzentwicklungsplans hinausgeht, ist somit längst überfällig. Denn nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen können bereits heute Investitionen getätigt werden.