Rotterdam entwickelt sich zur Wasserstoffdrehscheibe für Deutschland

Um die Klimaziele zu erreichen, sind ab etwa 2030 groß angelegte Importe erneuerbarer Energie erforderlich, vor allem in Form von Wasserstoff. Nordwesteuropa selbst kann nicht genügend nachhaltige Energie erzeugen, um den Bedarf zu decken. Rotterdam ist der nächstliegende Hafen, um einen Großteil dieser grünen Energie für Deutschland zu importieren, so wie es jetzt bei Öl und Kohle der Fall ist.

Rotterdam is der Energiehafen Nordwesteuropas, jährlich werden 8.800 Petajoule (PJ) Energie mit Seeschiffen an- und abtransportiert. Das entspricht dem Dreifachen Energiebedarf der Niederlande und 13% des Energiebedarfs in der EU. Aktuell machen fossile Energieträger den größten Teil dieser Energie aus. In einer Welt mit klimaneutralen Energiesystemen im Jahr 2050 ist der Energiehafen Rotterdam eine Wasserstoffdrehscheibe für Nordwesteuropa, durch die jährlich 20 Millionen Tonnen Wasser (2.400 PJ) geschleust werden. Für diese Mengen sind mehr als 100 Gigawatt an Elektrolysekapazität erforderlich und, aufgrund der nicht kontinurlichen Verfügbarkeit von Sonne und Wind, eine Verdopplung der Leistung bei der Stromerzeugung.

Die niederländische Offshore-Windenergie wird 2050 nur einen kleinen Beitrag dazu leisten können, der größte Teil wird durch Seeschiffe aus Gebieten importiert werden, in denen erneuerbare Elektrizität viel billiger ist und wo sie in Wasserstoff umgewandelt wird, der in flüssiger Form und/oder in Form anderer Energieträger nach Rotterdam transportiert wird. Ein Teil wird von der innovativen und neuen Industrie im Hafen zur Umwandlung in Prozesswärme, Brennstoffe und Rohstoffe genutzt. Zur Verwendung in Industrie und Transport wird ein Großteil seinen Weg ins Hinterland finden.

Für den Transport großer Wasserstoffmengen sind außerdem neue Pipelines erforderlich. Für die Industrie in Rotterdam wird mittlerweile an einer Pipeline gearbeitet, die ab 2023 Erzeuger und Kunden von Wasserstoff verbinden soll. Der erste Nutzer wird Shell sein. Das Unternehmen möchte 2023 eine ökologische Wasserstoffanlage in Betrieb nehmen. Der Wasserstoff gelangt von der Anlage über die neue Pipeline zur Raffinerie von Shell.

Der Hafenbetrieb Rotterdam hat jüngst Leitlinien zum Wasserstoff erarbeitet, in der die oben genannten Entwicklungen auf Basis mehrerer Studien verschiedener großer Unternehmen und (internationaler) Einrichtungen des Energiesektors beschrieben und quantifiziert werden.

Die Leitlinien und das Gesamtkonzept des Hafenbetriebs Rotterdam finden Sie hier.