Leuchtturmprojekt für klimaneutralen Seetransport- Containerschiff fährt mit synthetischem Gas

Kopenhagen/Rotterdam - Das Containerschiff "Wes Amelie" wird im Frühjahr 2020 erstmals synthetisches Erdgas (SNG) als Treibstoff einsetzen. Es gehe bei dem Projekt darum, das technisch Machbare zu demonstrieren, teilten die Projektpartner MAN Energy Solutions und Wessels Marine mit.

Die "Wes Amelie" wurde im Jahr 2017 auf den Dual-Fuel-Betrieb mit verflüssigtem Erdgas (LNG) umgerüstet. Der Branchendienst energate berichtet, dass jetzt ein Teil des benötigten Treibstoffs durch SNG aus grünem Wasserstoff ersetzt werden soll. Rund 120 Tonnen LNG benötigt das Containerschiff pro Einsatz. 20 Tonnen davon möchten MAN und Wessels Marine mit dem synthetischen "Drop-in Fuel" kompensieren.

Das SNG stammt aus der Power-to-Gas-Anlage von Audi im norddeutschen Werlte (Niedersachsen). Die benötigte Anlage zur Verflüssigung des Gases befinde sich derzeit im Bau. Sie werde Anfang 2020 fertiggestellt, heißt es weiter. Um den Transport kümmert sich die Linde-Gesellschaft Nauticor, die sich auf das Angebot von LNG als Schiffstreibstoff spezialisiert hat. Der Einsatz des synthetischen Erdgases soll die während der Fahrt frei werdenden CO2-Emissionen um 56 Tonnen reduzieren.

"Mit diesem Leuchtturmprojekt möchten wir gemeinsam nachweisen, dass sowohl die bereits aufgebaute LNG-Infrastruktur als auch die auf Seeschiffen verbaute LNG-Technologie die Verwendung von CO2-neutralem SNG erlaubt, was uns dem Ziel eines klimaneutralen Seetransports ein Stück näher bringt", sagte Christian Hoepfner, geschäftsführender Gesellschafter der Wessels Maritime. Die Beratungs- und Projektgesellschaft ist aus der Wessels Reederei hervorgegangen, der auch die "Wes Amelie" gehört. Den Projektpartnern ist dabei klar, dass es sich derzeit noch um ein Zuschussgeschäft handelt. "Die zurzeit entstehenden Kosten sind viel zu hoch, als dass ein dauerhafter Einsatz möglich wäre. Dafür gäbe es auch gar nicht genug SNG am Markt", so Hoepfner weiter.

Damit aus der technischen Möglichkeit irgendwann eine praktikable und verfügbare Option wird, müssten Regierungen und Regulierungsbehörden eng zusammenarbeiten, fordert Hoepfner. "Schon die initiale Umrüstung des Schiffs war auf Fördermittel der deutschen Bundesregierung angewiesen, um für Privatunternehmen überhaupt wirtschaftlich stemmbar zu sein." Mit Blick auf die Umweltbelastung habe sich die Umrüstung auf LNG aber gelohnt. So konnte das Containerschiff seine Schwefeloxidemissionen um mehr als 99 Prozent, die Stickoxidemissionen um rund 90 Prozent und den CO2-Ausstoß um bis zu 20 Prozent reduzieren.
 

Dekarbonisierung der Schifffahrt geht nur über Brennstoff

 
Für Stefan Eefting, Leiter von MAN Primeserv in Augsburg, spielen synthetische Kraftstoffe eine entscheidende Rolle bei der Senkung der Treibhausgasemissionen. "Insbesondere in der Schifffahrt ist die Verwendung von Batterien als Energiequelle keine praktikable Option." Eine erfolgreiche Dekarbonisierung könne hier nur über den Brennstoff erreicht werden. Deshalb müsse es jetzt darum gehen, die Power-to-X-Technologie im industriellen Maßstab zu entwickeln, um dem Markt große Mengen klimaneutraler Kraftstoffe zu wirtschaftlichen Preisen zur Verfügung stellen zu können. MAN hat für Audi die Anlage in Werlte errichtet, die vor rund sechs Jahren in Betrieb gegangen ist und mit 6 MW bis heute die größte in Europa ist. Mittlerweile bietet der Anlagenbauer Lösungen in 50-MW-Skalierung an.


Weitere Informationen zum Schiff, finden sie hier.

Die Originale Mitteilung finden sie hier.