Thema Wasserstoff nimmt weltweit an Fahrt auf

Wasserstoff ist in aller Munde- Für die EU gehört die Wasserstoffindustrie zu den strategisch wichtigen Branchen. Am Energie Campus Nürnberg (EnCN) diskutierten über 100 Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen und Politik Lösungsansätze, wie Mobilität, Industrie und kommunale Energieversorgung an die regenerative Energieerzeugung gekoppelt werden können

Der für den Green-Deal zuständige EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans will das nächste Gesetzespaket für Gas schnell vorschlagen und rasch durch die EU-Gesetzgebungsverfahren bringen, berichtet Branchendienstleister Energate. Im Blick hat er dabei auch eine größere Rolle für Wasserstoff. Timmermans will unter anderem die internen Verfahren der EU-Kommission beschleunigen. Wenn öffentlicher Druck stark sei, könnten die EU-Mitgesetzgeber, EU-Parlament und EU-Rat, dazu bewegt werden, sich schnell zu den Vorschlägen der EU-Kommission zu einigen. "Ich will beschleunigen", sagte Frans Timmermans auf einer Wasserstoff-Konferenz in Brüssel. Normalerweise dauert es zwei Jahre, bis ein EU-Gesetz verabschiedet wird. Er sei dabei aber auf die Expertise auch aus der Wasserstoffbranche angewiesen, betonte Timmermans.
 

Wasserstoffindustrie will Alternative zur Elektrifizierung bieten


Die Wasserstoffindustrie sieht sich in der Lage, 2050 rund ein Viertel der Endenergienachfrage in der EU zu decken. Dafür fordern die Unternehmen aber entsprechende gesetzliche Vorgaben der EU und finanzielle Unterstützung. Auch will die Branche den PKW-Verkehr nicht der Stromindustrie überlassen, sondern Wasserstoff als kostengünstigere Alternative zu E-Autos positionieren. Noch fehlt jedoch die Tankinfrastruktur. Auch Klaus Bonhoff, Leiter der Grundsatzabteilung im Bundesverkehrsministerium, sieht auf der Straße große Möglichkeiten für Wasserstoff, betonte er in Brüssel.  Am 20. Dezember wird die Bundesregierung eine Wasserstoffstrategie vorlegen. (Mehr Informationen finden sie hier: energate, euractive

Beim Fachforum „Power-to-X: Forschung – Entwicklung – Anwendung“ am Energie Campus Nürnberg (EnCN) berichtet Norbert Zösch, Geschäftsführer des Stadtwerks Haßfurt in dem Zusammenhang darüber, wie lokale Energieversorger grünen Strom effizient speichern können: "Eine zu 100 Prozent regenerative Energieversorgung ist nur mit effizienten Speichertechnologien zu schaffen", so Norbert Zösch im Gespräch mit dieser Redaktion der Zeitung Main Post. "Batterien allein reichen dafür nicht aus – für den globalen Energiehandel und den Betrieb besonders energieintensiver Anwendungen in Industrie und Verkehr sind Alternativen gefragt", sagt Zösch. Am Energie Campus Nürnberg, dem "bayerischen Wasserstoffzentrum", wie Zösch es nennt,  werden seit Jahren sogenannte Power-to-X-Technologien erforscht. 

Verflüssigung von Wasserstoff ist bahnbrechend

Prof. Dr. Peter Wasserscheid, Inhaber des Lehrstuhls für Chemische Reaktionstechnik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und laut Zösch "Pionier auf dem Gebiet flüssiger organischer Wasserstoffspeicher", gab eine Einführung in das Thema. Er bezeichnete die Elektrolyse von Wasser zu Wasserstoff als Schlüsseltechnologie für die Energiewende. Eine Möglichkeit, Wasserstoff in gebundener Form zu speichern und zu transportieren, sei die CO2-Hydrierung zu Methan, Methanol oder synthetischen Kraftstoffen, erklärte der Chemiker. "Wasserscheid hat eine bahnbrechende Methode entwickelt, Wasserstoff flüssig zu transportieren", zeigt sich Zösch beeindruckt von dem Forumsteilnehmer.

Zur Originalmeldung